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#rp19 - re:publica19 - zweiter Nachklapp

Gestern Abend habe ich noch auf der re:public ein erstes kurzes Fazit verfasst und habe heute im Zug noch einmal darüber nachgedacht. Geholfen dabei hat mir ein Artikel auf Media.de, der in meinem Gefühl ein klein wenig von oben herab auf die re:public schaute - vielleicht sogar ein wenig spöttisch.

Im Artikel von Media ging es sinngemäß darum, dass die re:public, obwohl sie wichtige und wesentliche Debatten aufgreife, doch ein wenig eine Blase sei und im eigenen Saft koche, inklusive permanenter Selbstbestätigung. Und in der letzten Wendung streitet meedia der re:public dann quasi ab, für die breite Gesellschaft zu sprechen, weil - eben - re:publica.

Ich finde das ausgesprochen seltsam, das ein Unternehmen wie Media, nämlich ein Unternehmen aus der Medienbranche und irgendwie da ja auch aus der digitalen Welt, ich finde es seltsam, das Media hier so undifferenziert Kritik aufgreift, die man so an jeder bisheriger re;publica vorgebracht hat, die aber zu keinem Zeitpunkt richtig war.

Man kann die re:publica durchaus als Treffen Gleichgesinnter begreifen, von Anfang an war das so.

Na und? Das ist bei jedem Parteitag so. Deswegen würde man den Parteien aber nicht absprechen, gesellschaftlich wichtige und notwendige Debatten auf ihren Parteitagen zu führen.  Wenn man das überhaupt thematisieren wollte, dann könnte man es mit gleichem Recht auch positiv formulieren, als Schutzraum ...

Was sich allerdings geändert hat - um "Gleichgesinnter" zu sein muss man nicht mehr „Blogger“ sein (echt jetzt!). Die Filterblase die der re:publica gerne vorgeworfen wird, sie wird von Jahr zu Jahr größer. Das wiederum wird gerne unterschlagen oder zumindest unterbelichtet dargestellt. Die re;publica ist auch keine Veranstaltung ausschließlich sehr junger, sehr linker Aktivisten - diese sind dort allerdings willkommen wie eigentlich fast jeder dort willkommen ist. Wird sich allerdings nicht jeder dort wohlfühlen - als Neonazi, als Sexist, als dumpfer Klimaleugner und anderes würde ich da einfach wegbleiben. Verboten zu kommen ist es denen nicht und man muss beim Ticketkauf keinerlei Angaben zur Gesinnung machen.

Artikel wie der von meedia schreiben über die Themenbreite und über die Wichtigkeit und Aktualität der auf der re;publica geführten Debatten ohne sie wirklich anzuerkennen. Das ist in meinen Augen unredlich und dient bloß denen, die Debatten über Freiheit, Gleichheit, über eine faire und gerechte Welt lieber wie bisher führen möchten. In einem Diskurs-Raum, der stets mit Ängsten gefüllt wird, um die Menschen vorm Aufbegehren und "ernst machen" abhält. Bei allen teils sehr frustrierenden Schilderungen unserer Gesellschaft unterscheidet sich die re;publicabesonders in diesem Punkt. Sie wil, das die Leute verstehen, das sie keine Angst haben trotz des besorgniserregenden Zustandes der Welt und die re:publica ruft jeden Einzelnen auf, sich zu engagieren ohne die Verantwortung weiter zu reichen an "die".

Für mich bleibt bei einem Artikel wie dem auf meedia.de ein fader Beigeschmack und eine Frage:

Sind die neidisch, weil sie sich das ganze Jahr nur mit Werbung beschäftigen dürfen?

Kommunalpolitik, Vereine & Co. - Ein Wunsch

Meine bisherigen Erfahrungen als Ehrenamtler und "Basispolitiker" legen einen Schluss nahe -
Wir brauchen tatsächlich mehr Frauen, die sich in Vereinen und Verbänden und im Wettstreit um die Ämter und Positionen der Kommunalpolitik bewerben.
Das ist aus vielerlei Gründen für Frauen oftmals wenig attraktiv. Aber diese Verantwortung zu übernehmen, sich in diese Welten zu begeben und einfach da zu sein in großer Zahl könnte so Vieles verändern.
Zum besseren verändern!

Kommt doch einfach ganz zahlreich ihr Frauen und es braucht keine Quoten oder ähnliches mehr, wenn ihr einfach durch pure Anwesenheit und aktive Beteiligung das übernehmt, was Euch zusteht und was durch eine bessere Verteilung der Geschlechter an der Basis dann "ganz einfach" auch nach "oben" durchdringen würde.

Tut mir leid, wenn das in Euren Ohren "platt" klingen sollte - liebe Frauen -, aber so Vieles würde viel einfacher, und auch gerechter funktionieren, wenn ihr Euch in diese bisher frauenunfreundlichen und manchmal auch frauenfeindlichen Strukuren hineinbegebt.
Es ist eben auch eine Verantwortung da zu sein, Dinge aktiv zu verändern und sich zu beteiligen.
Aber wo zehn Männer zusammen sitzen und nur zwei Frauen - da lassen unzählige andere Frauen diese beiden Geschlechtsgenossinen ziemlich alleine. Auch das ist eine Wahrheit.
 

Die zersetzende Kraft des Kompromisses

Unsere Welt wandelt sich schnell und grundlegend. Das war - so glaube ich - aber zu jedem Zeitpunkt unserer Geschichte aus der jeweiligen Perspektibe betrachtet schon immer so. Menschen sind einfallsreich und erfindungsreich und haben daher auch ein Bedürfnis nach Veränderung im Sinne von Erleichterung in sich. Und diese vom Menschen gemachten Veränderungen bringen in der Folge auch Herausforderungen mit sich. Der große Unterschied ist der, das die Welt eines jeden menschen viel kleiner war und auf das direkte Umfeld beschränkt. Das hat sich seit der Erfindung der Massenmedien geändert und hat heute in den Zeiten des Internets seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden.
Ich bin überzeugt davon, dass Menschen schnell lernen und ihre Verhalten grundsätzlich auch schnell an Veränderungen anpassen können. Ich weiß aber auch, das, wenn man an Gemeinschaften und Gesellschaften denkt die Schnelligkeit des Individuums hinter die Komplexität der Zusammenhänge zurücktritt. Und das es bei gemeinschaftlichen Entscheidungen so viele denkbare Verhaltens- und Verhandlungsmöglichkeiten gibt, dass am Ende im Regelfall nur der Kompromiss bleibt, um sich überhaupt zu bewegen und als Gemeinschaft zu einer Entscheidung zu kommen. 

Das gute an Kompromissen? Es tut sich was, es werden Entscheidungen gefällt und es geht etwas voran. Ohne den Kompromiss würden Gemeinschaften und Gesellschaften keine Entwicklung haben.


Das Schlechte an Kompromissen? Sie haben nie eine eindeutige, klare Linie. Und es gibt nie den einen klaren und eindeutigen Grund oder Verantwortlichen dem man die Wirkungen eines Kompromisses zuordnen kann. In Ihrer Wirkung, besonders wenn sich eine Mehrheit als Verlierer oder unzufrieden zeigen sollte, sind Kompromisse diffus und nehmen alle Beteiligten in Haftung. Das kann durchaus schädlich sein - und ich glaube es ist das was wir heute erleben und was als Vertrauensverlust und Politikverdrossenheit in vielen Facetten schon beschrieben wurde.

Kompromisse - selbst gute Kompromisse - können, wenn sie zur Dauereinrichtung werden, mehr Schaden als Nutzen stiften - und das entgegen aller Logik und aller Fakten. Der institutionalisierte Dauerkompromiss der Großen Koalition  ist die Manifestation der eigenen Schwäche und der Schwäche des Partners keine Mehrheiten organisieren zu können. Die beiderseitigen Eingeständnisse potenzieren sich und sind am Ende des Tages das was übrig bleibt, denn in der organisierten Mehrheit grundsätzlich verschiedener Lager ist nun ein jeder Teilnehmer der, der Abstriche machen muss, der in gewisser Weise "verloren" hat.
Wir sehen, hören und besprechen in den zusammengezwungenen gegensätzlichen Lagern jeweils nur noch das, was nicht erreicht wurde und eine tiefe, alles umfassende Enttäuschung frisst sich in die Beteiligten und die Adressaten einer solchen Politik. Kompromisse als Dauerzustand tragen diese zersetzende Kraft in sich und eine Große Koalition in Dauerschleife macht aus dieser zersetzenden Kraft den steten Tropfen. Ob sie es will oder nicht ist die Große Koalition, deren Basis ja bereits ein Kompromiss in Form eines Koalitionsvertrages ist ein Schaden der politischen Landschaft per se.